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Areal Ulrich

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Neue Einkaufszentren: Jetzt muss die Stadt das Umfeld planen

von Christian Utpatel, Stadtverordneter und Vorsitzender der FWG —

Mit dem Ende der Offenlegungsfrist  stehen die letzten Entscheidungen zum Bau des Einkaufszentrums  an der „Drehscheibe“ bevor. Die Fraktion der Freien Wählergemeinschaft Homberg hat die bisherigen Planungen intensiv begleitet.

  • Bei der 3. Bürgerinformationsveranstaltung wurde mitgeteilt, dass die Firma Schoofs Immobilien durch REWE zum Bau des EKZ beauftragt wurde. Das ist eine neue Information, die uns bisher nicht deutlich war: Bei dem geplanten Bau handelt es sich also nicht um ein von einem neutralen Investor geplantes Einkaufszentrum, das frei vermietet wird. Es soll offenbar ein „REWE Center“ gebaut werden, und nicht nur ein vergrößerter Supermarkt. Damit wird auch die Zukunft der Immobilie immer von diesem einen Nutzer abhängig bleiben.
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  • Mit großer Sorge lesen wir das Verträglichkeitsgutachten der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA). Dort ist von „deutlichen Wettbewerbswirkungen innerhalb der Stadt Homberg“ die Rede (S. 30). In einigen Branchen wie etwa Drogeriewaren, Sanitätsartikel, Apotheken , aber auch Bekleidung, Schuhe, Sport, Blumen, Optik, Uhren und Schmuck sei mit „Marktaustritten“ zu rechnen (S. 33). Das bedeutet nichts anderes als Ladenschließungen mit anschließendem Leerstand bei so ziemlich allen alt eingesessenen, familiengeführten Geschäften, die in der Homberger Innenstadt noch vorhanden sind.
    Unser Eindruck ist: Das neue Center ist zu groß, da es alle Konkurrenz erstickt. Wer eröffnet ein neues Schreibwarengeschäft, wer führt ein Schuhgeschäft oder eine Parfümerie fort wenn es alle diese Waren nebenan im Supermarktregal zu greifen gibt? Gleichzeitig wird das neue Center aber auch zu klein um wirklich Menschen nach Homberg zu locken. Es geht nur um Ketten, die so oder ähnlich auch in den Nachbarorten vorhanden sind. Die glitzernde Shoppingwelt, die Menschen (und Kaufkraft) aus dem Umland anzieht, wird es nicht geben.
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  • In der 3. Bürgerinformation wurde die Frage aufgebracht, warum keine Einrichtungen für Kultur und Freizeit in das Bauvorhaben integriert sind. Das erinnert uns an unseren Vorschlag, das benachbarte Gebäude der ehem. Druckerei für die Musikschule zu nutzen. Hier bietet sich eine wunderbare Gelegenheit, in unmittelbarer Nähe zu allen Schulen ein Zentrum für musikalische Bildung zu schaffen.
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EKZ-Stellbergsweg-h150

Ansicht vom Stellbergsweg

Für die anstehende Beschlussfassung fordern wir drei Dinge:
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  1. Eine Verkehrs- und Umfeldplanung muss erstellt werden.
    Die Investoren haben festgestellt:  Der Verkehr an der Drehscheibe wird so stark zunehmen, dass die jetzige Ampel überfordert ist.  Also muss geklärt werden:
    Wäre ein Kreisverkehr mit Zebrastreifen wirklich die bessere Lösung? Sind Zebrastreifen sicher genug, vor allem auch für hör- und sehgeschädigte Fußgänger? Wie steht es um die Schulwegsicherheit?  Fast alle Homberger Schülerinnen und Schüler überqueren die Drehscheibe. Kommt man zu den Stoßzeiten überhaupt mit dem Auto um den Kreisel herum, wenn permanent Fußgänger einen der vier Zebrastreifen betreten? Bleibt das Abbiegen Richtung Freiheit möglich? Was wird aus der jetzt schon problematischen Kreuzung Kasseler / Mühlhäuser / Stellberg? Wie werden die Freiflächen rund um das Neubaugebiet gestaltet? Wir erinnern daran, dass am Anfang des Vorhabens auch von einer Aufwertung des Stadtparks (Alter Friedhof) die Rede war.
    Und wie wird sich zusätzlich der Verkehr auswirken, der auf dem ebenfalls gerade im Bau befindlichen Einkaufszentrum an der Nordumgehung entsteht?
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  2. Es muss vertraglich sichergestellt sein, dass die zusätzlichen Kosten vom Investor getragen werden.
    Erst mit dieser ergänzenden Planung ist sichergestellt, dass sich das REWE Center in die vorhandenen Stadtstrukturen einfügen kann. Diese Planung muss vor dem Abschluss eines Durchführungsvertrages mit den Investoren erfolgen, um eine Kostenübernahme der Investoren vertraglich zu sichern. Der Anteil der Investoren darf nicht nur durch Grundstückstausch abgegolten werden, so dass die Stadt am Ende doch auf erheblichen Bau- und Investitionskosten sitzen bleibt.
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  3. Die Verlagerung eines Discounters muss vertraglich festgelegt sein.
    In den Bürgerversammlungen wurde immer gesagt, dass der zusätzlich auf dem Gelände geplante Lebensmittel-Discounter nur innerhalb Hombergs umzieht. Ein solcher Umzug muss vor einer Beschlussfassung vertraglich festgelegt werden.

Die FWG Homberg wird dem Neubau des Einkaufszentrums an der Drehscheibe zustimmen, sobald die offenen Fragen vertraglich sichergestellt sind.

 

EKZ Drehscheibe: Eine Bestandsaufnahme

von Dietmar Groß, Achim Jäger und Christian Utpatel —

 

Für Dienstag hat die Stadtverwaltung zu einer weiteren „Bürgerinformation“ eingeladen, bei der über den Planungsstand zum „Einkaufszentrum Drehscheibe“ (sog. „Ulrich-Areal“) informiert werden soll. Wichtig ist: Entscheidend ist nur der „Vorhabenbezogene Bebauungsplan“. Nur was da drin steht ist rechtlich bindend. Alle anderen Bilder und Texte sind nette Illustrationen, letztlich aber unverbindlich.

  • Im „Vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ ist von einem „Durchführungsvertrag“ die Rede. Dieser wurde bisher noch nicht veröffentlicht. Wir fragen: Was steht da drin? Wir fordern die Offenlegung aller Vereinbarungen mit den Investoren!
  • Die derzeitigen Pläne sind eine vollkommene Neuplanung gegenüber früheren Konzepten. Das Parkdeck ist jetzt weitestgehend auf Straßenniveau. Der Großteil der Läden ist ins Untergeschoss gewandert. Oben sichtbar bleiben ein Haus an der Ziegenhainer Straße sowie eine wie drei Einzelgebäude wirkende Front entlang der Kasseler Straße. Das Gebäude der ehem. Druckerei im Bindeweg ist nicht mehr einbezogen. Die Anlieferung der LKW erfolgt nun gegenüber der katholischen Kirche in der Kasseler Straße. Der gesamte Baukörper wurde wesentlich vergrößert – er rückt jetzt bis unmittelbar an das „Manhattan“ heran.
    EKZ-KasselerStrasse
  • Bei den veröffentlichten Computersimulationen fehlen die neuralgischen Ecken:
    > Das Bild entlang der Kasseler Straße beginnt an der jetzigen Spielhalle und geht Richtung Sparkasse. Die rechts davon befindliche LKW-Laderampe mit dem darauf stehenden Supermarkt ist abgeschnitten. Sie ist zwar zurückversetzt und teilweise mit Begrünung verdeckt, liegt aber genau gegenüber der katholischen Kirche und in der Sichtachse der aus der Kirche kommenden Gottesdienstbesucher.
    > Bei dem Bild aus Richtung Stellbergsweg wird nur eine Gesamtperspektive dargestellt, bei der das Einkaufszentrum klein am Horizont erscheint, womit die Größe des Baukörpers verschleiert wird.
    Für den Gesamteindruck ist es wünschenswert, dass die Projektentwickler auch diese Ansichten genauso darstellen wie alle anderen Seiten des EKZ.
  • „Es geht nur um eine Verlagerung bereits ortsansässiger Discounter“ wurde von den Projektentwicklern immer gesagt. Diese Festlegung findet sich aber nicht im vorliegenden Bebauungsplan! Wir fragen: Gibt es tatsächlich eine Zusage von „Aldi“, aus dem Efze-Center in das neue EKZ umzuziehen? Oder ist das alles nur eine grafische Illustration, die letztlich nichts bedeutet?
  • In den Grafiken ist das Logo einer „easy-Apotheke“ zu erkennen. Bei einer „Easy-Apotheke“ handelt es sich um ein neuartiges Konzept für discounter-ähnliche Apotheken mit hohem Anteil von Selbstbedienung (www.easyapotheke.ag). Auch hier die Frage: Ist das nur eine Illustration, oder gibt es Festlegungen? Und wie wird die Ansiedlung einer weiteren Apotheke mit den ortsansässigen Apothekern abgestimmt?
  • Neben den bereits diskutierten Supermärkten „Rewe“, „Aldi“, Drogeriemarkt, Schuhmarkt und Textilmarkt tauchen in den Plänen viele weitere Branchen auf: zwei Imbisse, ein Café, ein Reisebüro, ein Nagelstudio, ein Optiker, eine weitere Boutique. Außerdem sind weitere Sortimente zulässig, etwa Blumen, Bücher, Bürobedarf, Uhren und Schmuck. Auch hier die Frage: Gibt es bereits vertragliche Festlegungen? Und wie wird sichergestellt, dass diese Läden nicht zu einem Ausbluten der alteingesessenen Einzelhandelsbetriebe führen? Ein Café gibt es direkt nebenan, ein Reisebüro und ein Textilfachgeschäft schräg gegenüber…
  • Das Verkehrsgutachten schlägt einen Kreisverkehr mit Zebrastreifen an der Drehscheibe und einen weiteren Zebrastreifen in der Kasseler Straße vor. Ist bei den Untersuchungen die Schulwegsicherheit geprüft worden in der Verbindung zum Busbahnhof? Warum fehlt eine Untersuchung zur bereits jetzt problematischen Dreieckskreuzung Kasseler Straße / Mühlhäuser Straße / Stellbergsweg? Ist sichergestellt, dass der Investor den Umbau finanziert?

 

Die Engführung, das Gelände nur als Einkaufszentrum zu nutzen, scheint leider zum jetzigen Zeitpunkt unumkehrbar. Die bei der 1. Bürgerversammlung im Juni vorgebrachten Ideen, zu denen neben Einzelhandel zusätzlich auch seniorengerechtes Wohnen, Arztpraxen und ein Hotel gehörten, hatten zu keinem Zeitpunkt eine Chance. Mit der Mehrheit der Altparteien wurde verhindert, rechtzeitig im Rahmen eines Stadtentwicklungskonzeptes tätig zu werden und eine solche Mischnutzung vorzuschreiben. So blieb es letztlich den privaten Grundstückseigentümern überlassen zu entscheiden, wie Hombergs Stadtmitte genutzt und gestaltet wird. Umso wichtiger ist es jetzt, die weiteren Planungsschritte im Detail zu verfolgen und darauf zu achten, dass die Versprechungen der Investoren auch rechtlich verbindlich festgelegt werden.

Kommen Sie zur „3. Bürgerinformationsveranstaltung“! Am Dienstag, 26. April, 19 Uhr in der Stadthalle.

 

Quellen:

Den schnellsten Überblick über die Planungen bietet der „Vorhaben- und Erschließungsplan“, der auf der Webseite der Stadt veröffentlicht ist: > hier klicken

Alle weiteren veröffentlichten Dokumente finden sich > hier

Kompletter Neustart beim Einkaufszentrum

Überraschung darüber, dass der Investor einen neuen Plan vorgelegt hat. Anerkennung dafür, dass einige der zentralen Forderungen der aktuellen Diskussion berücksichtigt worden sind. Aber auch deutliche Sorgen, wie sich das große Einkaufszentrum auf die Verdrängung von Geschäften in der Altstadt auswirken wird.
– solche und andere Stichworte hat FWG-Fraktionsvorsitzender Achim Jäger bei der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 18. Februar zu den aktuellen Planungen rund um die „Drehscheibe“ genannt. Wir dokumentieren seine Rede hier im Wortlaut:

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„Da kriegt man ja richtig Lust wieder nach Homberg zu kommen, schrieb mir ein Bekannter.“ Ja, die Neuplanung sieht spannend aus – ich sehe 3-Meter-Abstände zu den Nachbargrundstücken, ich sehe „Lufträume“, ich sehe sogar Andeutungen von Bäumen auf dem Dach, ich sehe eine moderne, aber doch kleinteilige und nach Einzelgebäuden aussehende Fassade, und ich staune, dass das Grundstück vom jetzigen Rewe-Markt mit einbezogen ist. Ich bin positiv überrascht, dass sich der Investor mit den Forderungen der Bürger und der Freien Wähler intensiv beschäftigt hat und einen kompletten Neustart des Projektes vornimmt. Das ist ein gutes Zeichen und Werte ich als das positive Ergebnis unseres „Dagegenhaltens“.
Die zentralen Forderungen
• Die Beseitigung von Leerstand auf einem Innenstadt nahen Stadtbild prägenden Standort,
• Die Verlagerung eines Lebensmitteldiscounters vom Stadtrand zurück in die Innenstadt,
• Die Wiederansiedlung eines Drogeriemarktes in der Innenstadt (wegen starker Frequenzrückgang in der Innenstadt nach Rossmann Wegzug) und
• Die Schaffung von 300 zusätzlichen barrierefreien Parkplätzen am Eingang zur Altstadt
könnten mit dem vorliegenden Entwurf erfüllt werden.

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FreiRaum in der Westheimer Straße: Aktuelle Entwürfe im Schaufenster

Im Rahmen einer Sitzung des Lenkungskreises und nachfolgend in den Medien wurde die Neukonzeption des geplanten Einkaufszentrums Drehscheibe der Öffentlichkeit vorgestellt. Wesentliche Änderung ist, dass der „Mall“-Bereich, die eigentliche Ladenstraße, jetzt im Untergeschoss (Basement) angesiedelt ist. Die unterirdische Bebauung führt dazu, dass der Baukörper oberirdisch deutlich weniger hoch ist und zumindest von drei Seiten den Eindruck einer Einzelbebauung erweckt. Bei der Auswahl der Baumaterialien im Sichtbereich Ziegenhainer Str. / Kasseler Str. wird man sich an dem diesen Bereich prägenden Gebäude der Bundespräsident Theodor-Heuß-Schule orientieren. Auf Satteldächer, die tatsächlich keine Funktion hatten, wird vernünftiger Weise verzichtet. Die Grundstücke des jetzigen Rewe-Marktes im Stellbergsweg und das Gebäude Kasseler Straße 5 (ehemals ärztliche Notdienstzentrale) werden in die Planungen einbezogen. Der bisherige Rewe-Parkplatz steht in Teilen weiterhin als Parkfläche zur Verfügung.

Was nach wie vor fehlt ist eine Mischnutzung auch für Wohnen. Im Rahmen der Bürgerbeteiligung vorgeschlagene Freizeiteinrichtungen, wie Kino, Hotel und Kegelbahn sind ebenfalls nicht berücksichtigt.

Risiken sehen wir Freien Wähler außerdem bei der Verkehrsplanung. Wie wird sich die Verlagerung des Liefer- und Kundenverkehres in die Kasseler Straße auswirken, wenn kurz hinter der eigenartigen Dreieck-Kreuzung aus Kasseler Straße, Mühlhäuser Straße, Stellbergsweg und Kolpingweg auch noch LKWs rangieren und Leute ins Parkhaus fahren. Das muss man sicherlich noch einmal durchdenken. Vielleicht sollte man es einfach einmal ausprobieren, bevor man weiter plant (Stresstest).

Bei der Größe der vorgesehen Einzelhandelsflächen gibt es ebenfalls keine Änderung. Nach wie vor sind 550 qm für sonstigen Einzelhandel oder Dienstleistungen in der Nutzung nicht definiert. Unsere kommunalpolitisch begründete Kritik resultiert aus den zu erwartenden Verdrängungseffekten für den Altstadtbereich. Was nützt es uns, wenn Buchhandel, Reinigung, Lottoannahme, kleine Bekleidungsgeschäfte und Zeitschriftenhandel im EKZ angesiedelt werden und gleichzeitig in der Altstadt durch Geschäftsschließungen weiterer Leerstand entsteht. Bei aller Euphorie für die vorgelegten geänderten Pläne müssen wir Homberger wachsam bleiben und unsere Interessen durchsetzen. In dem jetzt abzuschließenden Vertrag, einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan, müssen die Pflichten des Projektentwicklers deutlich festgehalten werden:
• Regelungen über die Kostenbeteiligung für vorzunehmende Infrastrukturmaßnahmen
o Bau eines Minikreisels an der Drehscheibe,
o Umbau der Kasseler Straße (Querungshilfen, Verbindung zum Stadtpark Alter Friedhof),
o Umbauten für einen sicheren Schulweg im Bereich Bindeweg, Engelhard-Breul-Straße und Stellbergsweg und
o Schaffung von Freiflächen mit Baumbestand und Sitzgelegenheiten in der Ziegenhainer Straße nach dem historischen Vorbild einer Lindenallee)
o Unentgeltliche Übertragung der Flächen für verbreiterte Gehwege und angelegte Grünbereiche.

• Schutz der Interessen der noch in der Stadt ansässigen Einzelhändler bei der Auswahl der neu anzusiedelnden Geschäfte

• Vertragliche Festschreibung, dass die Neuansiedlung eines Lebensmitteldiscounters ausgeschlossen ist. Einzige Option ist die Verlagerung eines der beiden im Osterbach ansässigen Unternehmen.

Auf dieser Grundlage können wir den Neustart des Projekts wagen. Wir Freien Wähler stimmen für die Fortsetzung des Verfahrens.

Vortrag: Die Ziegenhainer Straße im Wandel

Lehrerseminar Ziegenhainer Straße

Kgl. Lehrerseminar und das heutige Haus Weineck („EuroDöner“) um 1890

„Die Ziegenhainer Straße im Wandel“ ist der Titel eines Vortrags, zu dem die Freie Wählergemeinschaft am kommenden Samstag, 7. November einlädt. Referent Dr. Klaus Lambrecht wird an Hand von historischen Fotos und Postkarten den Wandel der ehemaligen Pracht- und Wohnstraße bis zum heutigen Tag erläutern. Auf die baulichen Änderungen in Folge geänderter Nutzungsansprüche wird dabei besonders eingegangen. Noch sind zahlreiche Originalbauten in unverfälschter Form erhalten oder erkennbar. Mit Blick auf die historische Bilderserie wird die Frage aufgeworfen, wie die städtebauliche Entwicklung dieser Straße in Zukunft sein wird.

Dr. Klaus Lambrecht ist Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Schwalm-Eder-Kreises. Der gebürtige Homberger ist außerdem ein passionierter Sammler historischer Postkarten und anderer Dokumente aus der Geschichte unserer Stadt. Zur Vorbereitung auf das Thema gibt es bereits jetzt im Schaufenster des „FreiRaum“ in der Westheimer Straße 8 eine Fotoasustellung mit historischen Ansichten.

Herzliche Einladung: Samstag, 7. November, 10:30 Uhr, „FreiRaum“ Westheimer Straße 8, Homberg (Efze)

Schlank und chic: Einkaufszentrum muss kleiner werden

Die Diskussionen der vergangenen Tage, nicht zuletzt bei der Informationsveranstaltung am 15. Oktober, haben gezeigt, dass das derzeit auf dem „Ulrich Areal“ geplante Einkaufszentrum für die Homberger Situation überdimensioniert ist. Dabei geht es vor allem um die rund 15 kleineren Ladenflächen, die bisher in der öffentlichen Diskussion kaum eine Rolle spielen. Während die Projektentwickler für die fünf größeren Verkaufsflächen Nutzer benannt haben, bleibt die Vermietung der übrigen Läden weitestgehend im Dunkeln. Es steht zu befürchten, dass diese Flächen nicht für die Neuansiedlung bisher fehlender Sortimente genutzt werden (z.B. Elektronikfachmarkt, Spielwarengeschäft), sondern lediglich Filialen entstehen die zu einer unmittelbaren Gefahr für die etablierten, inhabergeführten Geschäfte der Innenstadt werden. Zwar belebt Konkurrenz das Geschäft, aber sie darf auch nicht zu mächtig werden.

Die Fraktion der Freien Wählergemeinschaft (FWG) fordert daher eine deutliche Reduzierung der geplanten Verkaufsfläche. Viele der in der Diskussion deutlich gewordenen Probleme ließen sich durch eine Verschlankung des Centers lösen:

  • Der etablierte Einzelhandel der Innenstadt hätte eine bessere Chance, sich gegen die neue Konkurrenz zu behaupten.
  • Ein kleinerer Baukörper bietet bessere Möglichkeiten für eine angemessene, kleinstädtische Architektur, die unter anderem den historischen Charakter der Ziegenhainer Straße als Lindenallee aufnimmt.
  • Es könnten andere Lösungen für den Anlieferverkehr gefunden werden. Der Bindeweg ist die einzige Zufahrt zur Theodor-Heuss-Schule und zugleich die Fußwegverbindung zwischen Busbahnhof und Stellbergschule sowie Erich-Kästner-Schule. Ein kleinerer Baukörper ist die Voraussetzung dafür, die Anlieferung über andere Routen zu führen und damit die Sicherheit der Schulwege zu gewährleisten.
  • Auch der Schutz der Rotbuchen kann nur gelingen wenn der Baukörper verkleinert wird.

Die Fraktion der Freien Wählergemeinschaft (FWG) fordert die Projektentwickler daher auf, einen Alternativplan vorzulegen, der den bei den Bürgerversammlungen benannten Problemen Rechnung trägt.

Achim Jäger, Fraktionsvorsitzender

Diskussion unerwünscht: „Areal Ulrich“ wird durchgezogen

Ein Kommentar von Christian Utpatel, Vorsitzender der FWG –

„Alle wichtigen Entscheidungen“ hat die Stadtverordnetenversammlung zu treffen. So jedenfalls sagt es die Hessische Gemeindeordnung. Zum Entscheiden gehört das Abwägen verschiedener Vorschläge, die Klärung offener Fragen, die Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen. Aber scheinbar nicht in Homberg. Da soll ein großes innerstädtisches Gelände mit einem Einkaufszentrum bebaut werden, und schon als dieses Projekt zum allerersten Mal im Parlament beraten wird hagelt es Kritik an der einzigen Fraktion, die Fragen stellt. Der eine sagt, man solle nun nicht schon zu Beginn alles kaputtreden, die anderen meinen es sei lange genug diskutiert worden und nun müssten endlich mal Pflöcke eingeschlagen werden. Mal abgesehen von der zeitlichen Widersprüchlichkeit ob man nun noch am Beginn sei oder lange genug geredet habe – einig schienen sich alle darin, dass es jedenfalls in der Öffentlichkeit der Stadtverordnetenversammlung nichts zu diskutieren gäbe. Die Vorschläge, die mehrere Hundert engagierte Bürgerinnen und Bürger bei einem Termin in der Stadthalle zusammengetragen hatten, bleiben nicht nur im Projektentwurf unberücksichtigt, sondern werden auch in der parlamentarischen Debatte ignoriert. Da hilft es auch nicht dass eine Partei selbstzufrieden erklärt, alle ihre Vorschläge seien schon im Vorfeld aufgegriffen worden. Es geht ja gar nicht darum, dass sich einzelne Parteien mit ihren Vorschlägen durchsetzen. Auch die Freien Wähler haben nie erklärt, dass sie grundsätzlich gegen das Vorhaben eines Einkaufszentrums seien oder ihren Willen durchsetzen wollen. Sondern es geht darum, dass eine Stadt in ihrer Gesamtheit darüber diskutiert, wie sie ihr Stadtzentrum gestalten will. Dass etwas geschehen muss zur Stärkung der Innenstadt, dass etwas geschehen muss gegen den wöchentlich wachsenden Leerstand Homberger Geschäfte ist völlig unstrittig. Aber ob dieses Ziel damit erreicht wird, dass man den leeren Geschäften nun noch mehr Verkaufsfläche als Konkurrenz danebenstellt, und ob dieses Ziel damit erreicht wird, dass im neuen Einkaufszentrum das Parken kostenlos ist, in der zu belebenden Altstadt aber zugleich Parkautomaten aufstellt – solche Entscheidungen sollten einer breiten Diskussion wert sein. Mal abgesehen von Fragen der Architektur, des Umweltschutzes und der Verkehrsführung direkt an einem Schulgelände vorbei. In Homberg aber wird das Projekt ohne Wenn und Aber durchgezogen. Bereits für den 15. Oktober ist eine abschließende Bürgerinformation in der Stadthalle geplant, deren Titel man wörtlich nehmen darf: dann wird nur noch informiert, nicht mehr diskutiert. Aber wer nichts zu verbergen hat braucht die breite öffentliche Diskussion nicht zu scheuen. Und wer angetreten ist um die politische Atmosphäre in Homberg zu verbessern sollte erst recht Wert darauf legen, dass wichtige Entscheidungen auch ordentlich durchdacht und breit diskutiert werden. Wenn jedenfalls, wie bei der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung geschehen, das Entstehen politischer Diskussionen in der Öffentlichkeit von Vornherein zum Tabu erklärt wird, ist der Sinn parlamentarischer Demokratie nicht verstanden worden.

Termin: Bürgerinformation am 15. Oktober um 19 Uhr in der Stadthalle

Hintergründe: HNA vom 26.09.2015

„Areal Ulrich“: Vorlagen sind nicht entscheidungsreif

Heute abend soll die Stadtverordnetenversammlung einen Beschluss über die Bebauung des „Areal Ulrich“ fällen. Für die anstehende Debatte sind der Freien Wählergemeinschaft folgende Aspekte wichtig:

Wir brauchen Zeit für eine vernünftige Planung. Die Chance, die diese Fläche bietet, darf nicht „versemmelt“ werden, wie Bürgermeister Dr. Ritz bei der Bürgerversammlung am 30. Juni zu Recht sagte.

Mit dem Bauvorhaben soll der Leerstand auf einem stadtbildprägenden Standort beseitigt werden.
Der Verlagerung von zwei Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen (REWE und Aldi) und eines Drogeriemarkts auf diesen Standort kann ausdrücklich zugestimmt werden. Die Verlagerung von Aldi zurück in die Innenstadt muss sogar als zwingende Voraussetzung angesehen werden.

Die Schaffung von rund 300 Parkplätzen, möglichst barrierefrei in der Nähe des Westheimer Tors, unterstützt die Innenstadt.

Aber: Beim Kauf von Engelapotheke, Krone und Schirnen war es das entscheidende Argument, dass die Stadt das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen müsse, um direkten Einfluss auf die Entwicklungen zu haben. Und hier, beim zweifellos wichtigsten Bauprojekt des Jahrzehnts, von dem nun alles abhängt, überlässt man die Investorenauswahl den Grundstücksbesitzern, so dass es nur einen einzigen Investor gibt der einen einzigen Plan unverändert vorlegt.

Auch die städtebauliche Entwicklung des Gesamtareals sollte nicht nach, sondern vor Einleitung eines Bauleitplanungsverfahrens in diesem Teilgebiet erfolgen. Sonst ist die Gefahr groß, dass dabei lediglich „Stückwerk“ herauskommt.

  • Wir sehen die Gefahr, dass nach der Baurechtserteilung auf den bis jetzt vorgelegten Informations- und Vertragsgrundlagen die Projektentwicklung zu Geld gemacht wird, ohne dass tatsächlich ein funktionierendes Einzelhandelszentrum entsteht.

  • Wenn die genannten Argumente in der anstehenden politischen Debatte nicht ausgeräumt werden, sehen wir die Gefahr, dass dieses Parlament nach den Entscheidungen zum Bundeswehrgelände und zum Gewerbegebiet „Nordumgehung“ den dritten kardinalen Fehlbeschluss mit immensen negativen Auswirkungen für die Stadt fasst.

  • UNERTRÄGLICH ist es aus Sicht der Freien Wähler, dass wieder einmal bei einem zentralen Projekt die Bürgerbeteiligung mit Füßen getreten wurde. Nicht ein einziger der vielen Vorschläge, die bei der Versammlung am 30. Juni von engagierten Bürgerinnen und Bürgern zusammengetragen wurden, findet sich auch nur ansatzweise in den vorliegenden Plänen wieder. Auch die Belange des Natur- und Umweltschutzes bleiben mit der Absicht, den vorhandenen, alten Baumbestand radikal zu beseitigen, völlig unberücksichtigt. Damit hat sich „Bürgerbeteiligung“ in Homberg einmal mehr als Farce erwiesen.

  • Das Ziel, noch in diesem Jahr Baurecht zu schaffen, wird als riskanter Schnellschuss nach hinten losgehen. Noch sind zu viele Fragen ungeklärt, zu wenige Alternativen geprüft worden, als dass jetzt bereits nach nur wenigen Wochen öffentlicher Diskussion eine Entscheidung solcher Tragweite gefällt werden könnte.

  • Daher fordert die Freie Wählergemeinschaft, vor der Entscheidung eine offene Diskussion zu ermöglichen, bei der auch Alternativvorschläge geprüft werden und Bürgerbeteiligung ernstgenommen wird.

  • Das hat etwas mit Verantwortungsbewusstsein zu tun:

    Verantwortung dafür, dass die angefangene Bürgerbeteiligung fortgesetzt wird.

    Verantwortung dafür, dass es nicht wieder zu einem Ansehensverlust wie beim EKZ Marktplatz-Ost kommt.

    Verantwortung dafür, die Finanzen der Stadt zu schonen und einen Investor frühzeitig auf seine finanziellen Verpflichtungen hinzuweisen und vertraglich zu binden.

    Verantwortung dafür, eine Neugestaltung der Ziegenhainer Straße nach historischem Muster als Lindenallee vorzunehmen und vorhandenen Baumbestand zu schützen.

    Verantwortung dafür, die Interessen und Belange der ansässigen Einzelhändler zu schützen.

Denn: Es werden ungeklärte Kosten verursacht.
Mit einem Aufstellungsbeschluss entstehen Kosten für dieses Verfahren und die weiteren damit zusammenhängenden Planungen, wie Verkehrsplanung und Rahmenplan. Die Kostenübernahme soll aber erst im Durchführungsvertrag geregelt werden.
Wir meinen: Erst müssen die Kosten mit dem Vorhabenträger zufriedenstellend geregelt sein, erst dann kann der Aufstellungsbeschluss erfolgen. Bei allen Beschlüssen, die Kosten verursachen, sind die entsprechenden Wirtschaftlichkeits berechnungen vorzulegen. Ohne diese darf nicht entschieden werden, vor allem nicht in der Haushaltssituation der Stadt. Vertragliche Vereinbarungen mit dem Investor zur Kostenbeteiligung bei den Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen müssen vorliegen.

Denn: Die Verkehrssituation ist unklar.
Ohne Straßenbaumaßnahmen führt das Projekt zu Verkehrsproblemen an der Drehscheibe.
Wir meinen: Für den Umbau der Ampelkreuzung „Drehscheibe“ zu einem Kreisverkehr sind entsprechende Kostenpläne und Finanzierungspläne vorzulegen. Die technischen Mängel der Planung, vor allem hinsichtlich des Anlieferungsverkehrs wie des Pkw-Verkehrs, sind vorab in den Ausschüssen zu klären. Es muss ein Stresstest für den LKW-Verkehr im Bindeweg vorgenommen werden. Die Einfahrt zum Bindeweg ist zu verbreitern. Die Zurückversetzung der geplanten Gebäude im Bereich Bindeweg muss geklärt werden.
Mit den genannten Fragen ist die Funktionalität des Verkehrskonzepts nicht schlüssig nachgewiesen. Auch die Sinnhaftigkeit von Parkautomaten in der Altstadt, wenn zugleich das Parken im Einkaufszentrum kostenlos ist, muss auf diesem Hintergrund diskutiert werden.

Denn: Naturschutz, Denkmalschutz, Gestaltung sind nicht ausreichend berücksichtigt.
Wir meinen: Die auf dem Gelände befindlichen Blutbuchen sind zu erhalten. Eine Gestaltung der Ziegenhainer Straße (ehemalige Bahnhofstraße) als Lindenallee sollte wenigstens diskutiert werden. In dem vorliegenden Entwurf sind die Belange des Natur- und Umweltschutzes mit der Absicht, den vorhandenen, alten Baumbestand radikal zu beseitigen, völlig unzureichend berücksichtigt.

Denn: Die Ideen der Bürger zu Wohnen und Einkaufen werden ignoriert.
Insbesondere die Mischnutzung mit zeitgemäßen Wohngebäuden (altersgerechte Wohneinheiten, kleine Wohnungen) sollte vorher geprüft werden. Die in der Bürgerversammlung entwickelten und in der Dokumentation festgehaltenen Anforderungen werden ignoriert.

Denn: Es entsteht Konkurrenz zum bestehenden Einzelhandel.
Die Nachnutzung der vorhandenen Gewerbeflächen in dem Areal (die REWE bislang benutzt hat) nicht ausreichend definiert. Die Nutzung von 550 qm Gewerbeflächen mit 15 weiteren Geschäften im Einkaufszentrum sind noch nicht definiert. Diese Unklarheit kollidiert (sehr wahrscheinlich) mit der politischen Zielvorstellung, die Innenstadt und damit auch den dort vorhandenen Einzelhandel zu stärken.
Wir meinen: Das Bauvorhaben ist insgesamt überdimensioniert. Die Baufelder für Bekleidung (1400 qm) und Schuhe (400 qm) führen objektiv (das bestätigt auch das Einzelhandelsgutachten) zu einem Verdrängungswettbewerb, den der Einzelhandel in der Innenstadt nicht gewinnen kann. Weitere Verdrängungs- oder Kannibalisierungseffekte sind durch Einzelhandels- oder Dienstleistungsnutzungen auf den noch nicht näher definierten 550 qm zu erwarten. Zugleich ist die Nutzung von 15 kleineren Ladenflächen noch überhaupt nicht festgelegt – sie könnten zur unmittelbaren Bedrohung der vorhandenen, kleinen Läden entlang der Ziegenhainer Straße und in der Altstadt werden.

Argumentationspapier der Fraktion der FWG, 23.09.2015

Stand der Dinge: Einschätzungen zum „Areal Ulrich“

von Christian Utpatel —

Die Homberger Freien Wähler haben sich ausführlich mit den Entwicklungen beim „Areal Ulrich“ beschäftigt. Dazu dienten eine eigene Informationsveranstaltung mit Homberger Einzelhändlern und dem Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes sowie der „Bürgerworkshop“ in der Stadthalle. Zum derzeitigen Stand der Debatte stellt sich für uns die Lage wie folgt dar:

1. Es geht dem Investor ausschließlich darum, Supermärkte und Discounter, die es in Homberg bereits gibt, auf das „Areal Ulrich“ umziehen zu lassen. Von neuen und andersartigen Geschäften als denen, die in Homberg vorhanden sind, ist keine Rede. Beim Bürgerworkshop hat dies Herr Markus Staedt, Vertreter des Entwicklungsbüros ANP, bereits in seiner Einleitung vor der gesamten Versammlung in der Stadthalle gesagt. Ziel sei es, (wörtlich:) „Lebensmittel und Discounter, und zwar örtlich ansässige, zusammenzuführen“. Dem entsprechen auch seine Aussagen in einem Artikel der HNA wenige Tage zuvor, in dem er das Efze Center im Osterbach als wesentlichen Konkurrenten seines neues Centers benannt hat. In der Arbeitsgruppe nannte Staedt die Firmen „Rewe“ und „Aldi“, mit denen man über einen Umzug im Gespräch sei. Auch „Rossmann“ wurde in diesem Zusammenhang erwähnt.

2. Nach den Vorstellungen des Projektentwicklers geht es um einen zusammenhängenden, eingeschossigen Bau, dessen Dachfläche für 300 Parkplätze genutzt wird.

3. In den vom Projektentwickler vorgelegten Plänen sind keine weiteren Nutzungen außer „Einkaufen“ vorgesehen.

Daraus ergibt sich für uns:

Die Träume, die in der Öffentlichkeit von der tollen neuen Shoppingwelt herrschen, trügen. Es sind keine neuen Boutiquen und Fachgeschäfte zu erwarten. Es geht ganz schlicht um die Frage, ob Rewe zukünftig einige Meter vom Stellbergsweg Richtung Ziegenhainer Straße und Aldi vom Efze Center in die Innenstadt umzieht.

Ohne neue Einkaufsangebote wird Homberg als Ganzes nicht attraktiver. Ob jemand aus Wabern, Frielendorf oder Malsfeld nach Fritzlar, Schwalmstadt oder Melsungen zum Einkaufen fährt – oder nach Homberg – entscheidet sich sicherlich nicht an der Frage, ob Aldi am Stadtrand oder im Stadtzentrum ist. Dazu müsste man zusätzlich neue, attraktive Geschäfte nach Homberg holen. Davon ist derzeit aber keine Rede.

Der Trend, Märkte von den Randgebieten zurück in die Innenstadt zu holen, ist sicherlich zu begrüßen. Auch die FWG hat im Bürgermeisterwahlkampf „Aldi an die Drehscheibe“ gefordert. Absurd ist es in diesem Zusammenhang allerdings, dass die Homberger Mehrheitsparteien gerade in den vergangenen Monaten die Randgebiete gestärkt haben: Im Efze Center wurde eine erhebliche Erweiterung genehmigt. An der Nordumgehung ist ein gerade erst genehmigtes, komplett neues Einkaufsgebiet im Bau. Und bei „Weckesser“ werden die Möglichkeiten, mit der Entscheidung über den Bau eines weiteren Lebensmitteldiscounters wenigstens zu warten, bis im „Areal Ulrich“ Klarheit herrscht, nicht genutzt. Eine Verlagerung von Einkaufsflächen in die Innenstadt macht aber nur Sinn, wenn sie konsequent gemacht und von einem Gesamtkonzept für die Stadtentwicklung begleitet wird. Sonst kommt es nur zur Verschiebung des Vorhandenen: Jeder Umzug sorgt woanders wieder für Leerstand.

Von zentraler Wichtigkeit ist es, dass der Bau auf dem „Areal Ulrich“ das vorhandene Gewerbe in der Altstadt unterstützt. Es darf gehofft werden, dass Frequenzbringer wie Aldi und Rewe so viel Publikum anlocken, dass davon auch die Altstadt profitiert. Damit ein Aldi-Einkäufer aber nicht nur seine Einkäufe auf dem Parkdeck in seinen PKW lädt, sondern anschließend auch noch einen Fußweg in die Altstadt auf sich nimmt, müsste das Angebot in Einzelhandel und Gastronomie in der Altstadt sehr verlockend sein. Die Homberger FWG ermutigt daher die Aktiven in der Homberger Altstadt, sich offensiv mit den Entwicklungen im „Areal Ulrich“ auseinanderzusetzen. Im optimalen Fall gelingt es endlich, die seit Jahren diskutierte Marketingstrategie „Einkaufserlebnis Homberger Altstadt“ umzusetzen. Die Homberger Politik täte gut daran, die zum Teil seit Jahrzehnten in der Stadt aktiven Kaufmannsfamilien dabei zu unterstützen.

Während des Bürgerworkshops in der Stadthalle ist sehr deutlich geworden, dass sich die Homberger Bevölkerung auf diesem Areal „mehr als nur Einkaufen“ wünscht:
– Genannt wurde etwa der Bau von Wohnungen, die modern, stadtnah und daher attraktiv sein könnten. Dabei wurde der Fokus auf altersgerechtes, barrierefreies ebenso wie generationenübergreifendes Wohnen gerichtet.
– Genannt wurde die Entwicklung von Freizeiteinrichtungen wie etwa eines kleinen Programmkinos oder einer modernen Stadtbibliothek mit Zugang zu Internet und neuen Medien.
– Genannt wurde der Bau eines Hotels. In diesem Zusammenhang verweist die FWG auf ihre Anfrage an den Magistrat zum Thema „Reformationsstadt“, deren Beantwortung noch aussteht. Wenn Homberg auf dem Hintergrund von „Reformationsstadt“ und „GrimmHeimat“ jemals in größerem Maßstab Tourismus entwickeln will, braucht es ein Hotel, das in Größe und Stil für Reisegruppen geeignet ist. Solch ein neues Hotel wäre eine gute Ergänzung zu den vorhandenen Angeboten. Ein solcher Bau dürfte im vorhandenen Altbaubestand der Homberger Hotels kaum umsetzbar sein. Das „Areal Ulrich“ stellt die letzte innerstädtische Fläche dar, auf der ein Hotelbau attraktiv sein könnte.

Die vom Parlament eingesetzte „Lenkungsgruppe“ wird sich am 14. Juli weiter mit den Entwicklungen beschäftigen. Dabei steht als erster von fünf Tagesordnungspunkten „Kurzer Bericht zu den Ergebnissen des 1. Bürgerworkshops in der Stadthalle“ auf der Einladung. Es bleibt zu hoffen, dass sich die eingesetzte Lenkungsgruppe sehr intensiv mit den Anregungen des Bürgerworkshops beschäftigt. Wenn die oft beschworene Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ernst gemeint ist, dann müssen die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung intensiver diskutiert werden als nur in einem „kurzen Bericht“.

Kommentar von Christian Utpatel, Vorsitzender der FWG Homberg

Siehe dazu auch: Dokumentation auf der Webseite der Stadt Homberg

Ergänzung aus dem „Lenkungsausschuss“:

Die 2. Sitzung des Lenkungsausschusses zum Thema „Ulrich Areal“ bestätigt, was bisher schon zu erahnen war: Es gibt keine neue tolle Shoppingwelt, sondern es geht einzig und allein um die Umsiedlung von bereits in Homberg vorhandenen Supermärkten. Von dem, was bei der sog. „Bürgerbeteiligung“ vor drei Wochen in der Stadthalle aus der Bevökerung eingebracht wurde, ist keine Rede. Auch die Rotbuchen kommen weg, weil sonst (das übliche Totschlagargument) der Investor abspringt. Es geht um 08/15 Supermärkte, nichts weiter. Die Auswirkungen auf die Entwicklung der Altstadt sind unklar. Als hätten wir es kommen sehen…

Siehe dazu: Bericht der HNA

Ergänzung aus der Stadtverordnetenversammlung:

Auch der Bürgermeister bestätigt vor der Stadtverordnetenversammlung das Discounter-Konzept:
„Herr Bürgermeister Dr. Ritz berichtet von den Diskussionen in den Aus-schüssen, in der Lenkungsgruppe und in der Bürgerinformation in der Stadthalle.
Dann beschreibt er das Vorhaben wie folgt:
Die Firma REWE werde in das neue Gebäude umsiedeln und sich vergrößern.
Weiterhin werde sich ansiedeln, ein Discounter mit ca. 1.500 m² Verkaufsfläche, eine Drogerie mit 800 m², ein Textilkaufhaus mit 1.400 m², ein Schuhgeschäft mit 500 m² und weitere kleinere Geschäfte. Insgesamt sollen 7.000 m² Verkaufsfläche angeboten werden.“ (Protokoll der Stavo 23. Juli 2015)

Fachmärkte oder Stadtquartier? FWG im Gespräch über „Areal Ulrich“

PANO_20150221_120124448Rund 20 Einzelhändler, Gewerbetreibende und andere Interessierte kamen am vergangenen Dienstag zusammen, um über die Entwicklungen auf dem „Ulrich-Areal“ an der Kasseler Straße in Homberg zu sprechen. Eingeladen hatte die Freie Wählergemeinschaft, deren Stadtverordnete den direkten Kontakt mit Betroffenen pflegen wollten. Besonderer Gast war der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Hessen-Nord, Martin Schüller (Kassel). Auch das städtische Bauamt war mit zwei leitenden Mitarbeitern vertreten.

Alle Anwesenden waren sich einig darin, dass eine Entwicklung des Geländes sehr zu begrüßen ist und große Chancen für die Stadtentwicklung berge. Umso intensiver drehte sich das Gespräch um die Frage, welche Weichenstellungen erfolgen müssen, damit das Projekt auch tatsächlich einen positiven Einfluss auf die Stadt hat. Dem Vernehmen nach ist auf dem Areal der Bau eines „Fachmarktzentrums“ geplant. Martin Schüller erläuterte, dass ein „Fachmarktzentrum“ aus wenigen, jeweils 600 bis 800 Quadratmeter großen Läden von Ketten bestehe, deren Angebote zumeist im Niedrigpreissegment angesiedelt seien. Insofern sei ein „Fachmarktzentrum“ etwas anders als ein „Einkaufszentrum“. Da die einschlägigen Fachmärkte aber bereits mit Filialen in Homberg vertreten seien müsse man aufpassen, dass es nicht nur zum Umzug vorhandener Märkte komme, die dann woanders wieder Leerstand verursachen.

Sehr intensiv wurde darüber gesprochen, wie eine enge Anbindung an vorhandene Geschäfte und Gastronomie in der Altstadt hergestellt werden könne. Hier scheinen kleinste Details wie die Gestaltung von Fußwegen und Kreuzungen eine wichtige Rolle zu spielen. Im Laufe des Gespräches kam auch die Frage auf, warum man denn beim „Ulrich-Areal“ immer nur an „Einkaufen“ denke. „Nehmen Sie sich in Homberg die Zeit und spielen auch andere Möglichkeiten durch“, machte Martin Schüller den Anwesenden Mut. Ein Mix aus Wohnen, Freizeitgestaltung und Einkaufen könnte möglicherweise interessant sein. Auch die Integration eines modernen Hotels kam als Idee auf. Es gehe nicht nur um den Bau eines großen Supermarktes, sondern das gesamte Quartier zwischen Kasseler Straße, Ziegenhainer Straße, Bindeweg und Stellbergsweg müsse zu einem lebendigen Stadtbereich entwickelt werden.

Für die Homberger FWG betonte Fraktionsvorsitzender Achim Jäger, dass mit den Planungen entscheidende Weichenstellungen für die nächsten 20 Jahre erfolgen würden. Aufgrund der desolaten Finanzsituation könne und dürfe sich die Stadt aber nur als Moderator zwischen Investoren, alteingesessenen Einzelhändlern, Anliegern und Öffentlichkeit betätigen. Politisch entscheidend sei es, den baurechtlichen Rahmen im Interesse einer positiven Stadtentwicklung zu gestalten. Voraussetzung sei eine Aktualisierung des vor Jahren erstellten Einzelhandels-Gutachtens. Auch ein Verkehrskonzept gehöre zu den Planungen. Jäger sagte zu, dass die FWG bei den anstehenden Entscheidungen insbesondere auch auf eine enge Einbindung der alteingesessenen Einzelhändler und die Entwicklung der Altstadt achten werde.

FWG-Vorsitzender Christian Utpatel dankte allen Beteiligten für das sachliche und offene Gespräch. Er betonte die großen Chancen, die in der Entwicklung dieses Geländes für die Stadtentwicklung stecken. Insofern hoffe er auf eine rege Beteiligung der Bürgerschaft bei den öffentlichen Diskussionen, die nun beginnen. Besonders hingewiesen wurde dabei auf den Bürger-Workshop, zu dem die Projektentwickler für den 30. Juni ab 17 Uhr in die Stadthalle eingeladen haben. Dies, so Utpatel, sei der beste Ort, um die Planungen kennenzulernen, kritisch zu hinterfragen und gemeinsam positiv weiter zu entwickeln.

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